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Chronik von Gühlen Glienicke

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(Quelle: Heft "Ruppiner Land" , "Historisches Ortslexikon für Brandenburg" )


 

Eine bereits 1524 nur noch wüste Feldmark Glienicke (slaw. glina = Lehm) genannte Fläche wurde von verschiedenen umliegenden Gemeinden genutzt. Dann entstand um 1760 ein Vorwerk des Rittergutes Lüchfeld, das sich im Besitz einer Familie von Gühlen befand, das bis 1774 völlig ausgebaut und seit 1799 als Gühlen Glienicke verselbständigt wurde.

Um 1800 gab es auf der Feldmark Gühlen 800 Morgen (~ 200 ha) Kiefernwald.
Der Ort ist mit einer Schäferei ausgestattet. Ein Büdner und vier Einlieger leben in Gühlen Glienicke.
In den 1820er Jahren entsteht am östlichen Dorfrand ein Friedhof.
Um 1840 ist die Gemeinde mittlerweile auf 14 Wohnhäuser angewachsen.
Bis 1860 hatte sich die Waldfläche auf 915 Morgen vergrößert.
Es gibt vier öffentliche, 23 Wohn - und 27 Wirtschaftsgebäude sowie eine Förtserei.
Die Einwohnerzahlen schwankten stark. Nur der Gastwirt und 2 Büdner besaßen 1891 eigenes Land.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts leben 150 Einwohner in der Gemeinde. Ein Flächenbrand vernichtet 1880 die Mehrzahl der Anlagen aus der Entstehungszeit des Ortes. 1888 brandten 4 Häuser ( Arbeiterhäuser vom Gut Neuglienicke, die ersten Häuser auf der rechten Seite von Wallitz kommend ) ab.
Im Jahre 1929 besaß das mit insgesamt 565 ha Fläche ausgestattete Rittergut einen in 38 Jagen geteilten Forst von 398 ha Größe, davon 368 ha Holzboden. Weitere Aufforstungen vergrößerten diese Gühlener Heide bis auf ungefähr 450 ha. Nach der Enteignung des Gutes 1945 in Volkseigentum übergeführt, untersteht sie heute dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb. Zum Hof Nr. 29, der Revierförsterei, gehört ein stattliches, vierachsiges Fachwerkwohnhaus in Giebelstellung zur Straße. Seine quadratischen und hochrechteckigen Gefache sind mit Backsteinen gefüllt. Die zweiflügelige Haustür erschließt den Längsflur. Wie das Giebeldreieck enthält auch die große, quergegliederte Fachwerkscheune 2 große, hohe Andreaskreuze.
Ein Teil der Bewohner hatte in einem Dampfsägewerk Arbeit gefunden, in dem 1945 35 Männer und Frauen beschäftigt waren und das bis zu Beginn der fünfziger Jahre als VEB Sägewerk weiter existierte. 1946 lebten hier 227 Personen, die sich bis 1964 verdoppelt haben, denn durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges hatten viele Umsiedler Unterkunft in Gühlen Glienicke gefunden.

1970/71 wurde aus ihm das Kombinat Industrielle Mast (KIM) als Basiszuchtbetrieb für Puten gebildet, zu dem seit 1972 auch eine Abteilung für industriemäßige Gänseproduktion gehört. Seine Hallen liegen aus veterinärhygienischen Gründen weit voneinander entfernt im Raum Rheinsberg — Frankendorf — Rossow. Außenstellen in den Kreisen Kyritz, Wittstock und Neustrelitz sind auf gut ausgebauten Straßen schnell zu erreichen. 1974 betrug die industriemäßige Produktion von Schlachtputen etwa 200 t.
1980 wird die sozialökonomische Struktur der Gemeinde durch den Geflügelzuchtbetrieb bestimmt, den Staatlicher Forstwirtschaftsbetrieb und Gemeinde im Ortsteil Neu Glienicke schufen.
In Gühlen Glienicke wurden moderne Wohnungen gebaut, Kindergarten und Kinderkrippe erweitert, Arzt- und Zahnarztstationen neu eingerichtet. Die Verwaltungs- und Sozialgebäude der KIM stehen ebenfalls in Gühlen Glienicke.( seit 1991 Kartzfehn Märkische Puten GmbH) Die Gemeinde Gühlen Glienicke umfaßt eine Gemarkung von 49,2 km2 mit 6 Ortsteilen: den Hauptort selbst an der Straße Neuruppin - Zechlin, Rheinsberg Glienicke, Steinberge, Binenwalde, Neu Glienicke und Kunsterspring. Der Hauptort ist Standort einiger Versorgungseinrichtungen für alle Ortsteile der Gemeinde (Rat der Gemeinde, Oberschule Klassen 1-8, Schwesternstation, Handwerks-betriebe). Die LPG 10. Jahrestag entstand 1959 (38,94 ha) und gehörte zur LPG (T) Braunsberg. Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche ist verhältnismäßig klein (60 ha) und auch von geringer Bonität (Ackerwertzahl 25); Getreide - und Kartoffelanbau sowie Schweinehaltung bestimmen das Produktionsprofil.

Gühlen Glienicke, mitten im Forstgelände der Wittstock Ruppiner Heide in der Nähe der Endmoränen der Rheinsberger Staffel und des Kalk- und des Tornowsees gelegen, eignet sich für das Erholungswesen. In den 70er Jahren bestand ein Ferienlager für etwa 400 Kinder.


1993 wird Gühlen Glienicke nach Neuruppin eingemeindet.

 

Aktualisiert ( Donnerstag, den 23. Juli 2015 um 20:15 Uhr )  

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